Diplomarbeit: Webbasiertes exploratives Tutorial zur Lehrveranstaltung EIS "Funktionsweise des MOS-Transistors"

Welche anderen MOS-Transistor-Arten existieren?


 
   
Anreicherungs-Typen (selbstsperrend)

Ein Transistor vom Anreicherungstyp beginnt erst zu leiten, wenn eine Spannung |UGS|>0 angelegt wird. Er wird als "selbstsperrender" Transistor bezeichnet. In den letzten Tutorial-Kapiteln wurde die Funktionsweise des selbstsperrenden NMOS-Transistors ausführlich erklärt. Es existiert noch ein zweiter Transistor vom Anreicherungstyp: der selbstsperrende PMOS-Transistor.

 

 

selbstsperrender PMOS -Transistor


Symbol


Aufbau: selbstsperrender PMOS

Der PMOS-Transistor basiert auf einem n-dotierten Substrat, welches durch Diffusion an zwei Stellen p-dotiert ist. Auf das Substrat wird, wie beim NMOS-Transistor, ein Dielektrikum und ein Metall aufgebracht.

Anders als beim NMOS-Transistor wird, da die Ladungsträger die Löcher sind, der Anschluß, an dem das höhere Potential anliegt, mit Source bezeichnet. Wird eine Gate-Source-Spannung, die kleiner als die Schwellwertspannung ist, angelegt, werden Elektronen von der Grenzschicht verdrängt, so daß ein p-leitender Kanal entsteht. Die Schwellwertspannung liegt beim PMOS-Transistor im negativen Bereich.

Wird die Drain-Source-Spannung verringert bzw. die Source-Drain-Spannung erhöht, indem das Potential an der Source erhöht wird, beginnt Strom zu fließen. Am Anfang wächst die Stromstärke |IDS| linear zu der Verminderung von UDS. Wenn UDS kleiner UGS-UTH wird, befindet sich der Transistor im Sättigungszustand, d.h. bei einer Verminderung von UDS ist keine Erhöhung der Stromstärke |IDS| mehr zu erwarten.

Für die einzelnen Zustandsbereiche des Transistors gilt:

Sperrbereich: wenn UGS > UTH folgt

IDS = 0V

Triodenbereich / Linearer Bereich: wenn UGS < UTH und 0V >= UDS >= UGS-UTH folgt

IDS = -beta((UGS-UTH)UDS-(UDS²/2))

Sättigungsbereich: wenn UGS < UTH und UDS < UGS-UTH folgt

IDS = -(beta/2) (UGS-UTH

 

Beobachten Sie die einzelnen Zustandsbereiche und die Kennlinien

selbstsperrender PMOS-Transistor

 

Der PMOS-Transistor zeigt die gleiche Funktionalität wie der NMOS-Transistor, er wird jedoch nur selten eingesetzt. Dies ist damit zu begründen, daß die Beweglichkeit der Löcher kleiner ist, als die der Elektronen. Daher schaltet ein PMOS-Transistor mit p-dotiertem Kanal langsamer, als ein NMOS-Transistor mit einem n-dotierten Kanal.

PMOS-Transistor werden hauptsächlich in CMOS-Schaltungen eingesetzt, wo zu jedem NMOS-Transistor ein korrespondierender PMOS-Transistor existiert.

 

 
Verarmungs-Typen (selbstleitend)

Um einen Transistor vom Verarmungstyp zu erzeugen, wird ein schwach dotiertes Implant in den Kanal diffundiert. Dies bewirkt, daß der Transistor bei einer Gate-Source-Spannung von 0V leitet. Daher werden Transistoren dieses Typs auch als "selbstleitende" Transistoren bezeichnet. Um den Transistor zu sperren, muß eine Spannung |UGS|>0 angelegt werden.

 

   

selbstleitender NMOS-Transistor


Symbol


Aufbau: selbstleitender NMOS
-Transistor

Beim selbstleitenden NMOS-Transistor wird das p-dotierte Substrat zwischen den beiden n-dotierten Bereichen leicht n-dotiert. Dies bewirkt, daß der Transistor bei UGS>UTH leitet. UTH liegt im negativen Bereich. Er leitet daher auch, wenn UGS=0V ist. Damit der Transistor sperrt, muß eine Gate-Source-Spannung angelegt werden, welche kleiner als der Schwellwert UTH ist. Ein üblicher Schwellwert bei einer Versorgungsspannung von 5V ist UTH= -4V. Durch die negative Spannung werden die Elektronen aus dem Implant verdrängt.

Der selbstleitende NMOS-Transistor wird z.B. bei der Realisierung eines NMOS-Inverters eingesetzt. Er erfüllt dort die Funktion eines Last-Transistors (PULL-UP-Transistor). In der einfachsten Form wird ein Inverter mit einem Widerstand und einem selbstsperrenden Schalttransistor (PULL-DOWN-Transistor) realisiert. Dieser Widerstand kann bei hohen Lasten sehr groß werden und damit wertvollen IC-Platz belegen. Deshalb wird ein selbstleitender Transistor als Widerstand verwendet. Bei einem NMOS-Inverter wird ein selbstleitender NMOS-Transistor als Last-Transistor eingesetzt. Nähere Informationen über Last-Transistoren und Inverter können im Vorlesungs-Skript nachgelesen werden.

 

Beobachten Sie die einzelnen Zustandsbereiche und die Kennlinien.

selbstleitender NMOS-Transistor

Die schwarze Linie zeigt das schwach dotierte Implant

 

   

selbstleitender PMOS -Transistor


Symbol


Aufbau: selbstleitender PMOS
-Transistor

Beim selbstleitenden PMOS-Transistor wird das n-dotierte Substrat zwischen den beiden p-dotierten Bereichen leicht p-dotiert. Dies bewirkt, daß der Transistor bei UGS<UTH leitet. UTH liegt im positiven Bereich. Er leitet daher auch, wenn UGS=0V ist. Damit der Transistor sperrt, muß eine Gate-Source-Spannung angelegt werden, welche größer als der Schwellwert UTH ist. Ein üblicher Schwellwert bei einer Versorgungsspannung von 5V ist UTH= 4V. Durch die positive Spannung werden die Elektronen in das p-dotierte Implant gezogen.

Mit einem selbstleitenden PMOS-Transistor kann wie beim NMOS-Transistor ein Inverter realisiert werden. Ein PMOS-Inverter verwendet einen selbstleitenden PMOS-Transistor als PULL-UP-Transistor und einen selbstsperrenden PMOS-Transistor als PULL-DOWN-Transistor.

 

Beobachten Sie die einzelnen Zustandsbereiche und die Kennlinien.

selbstleitender PMOS-Transistor

Die schwarze Linie zeigt das schwach dotierte Implant

   
Weiterführende Themen

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